Seit dem Jahr 1874 versammelte sich im Haus von Wilhelm Stracke ein kleiner Kreis von Männern. In den Jahren 1877/78 ging von der bestehenden ev. Gemeinschaft eine große Erweckung aus. Der bestehende Versammlungsraum wurde zu klein, deshalb mietete man nach einigen Überlegungen den großen Saal der Gastwirtschaft Demandt an. So wurde der Raum, in dem vorher Tanzveranstaltungen stattgefunden und Alkohol das Regiment geführt hatten, zu einem Ort, wo Menschen Frieden fanden durch den Glauben an Jesus Christus.

In dieser Zeit beschlossen dann einige gläubige Männer, aus Verantwortung heraus, für die anderen jungen Männer im Ort, einen „Jünglingsverein“ zu gründen. Als Gründungsmitglieder werden folgende Namen genannt: Wilhelm Stracke, Peter Groos, Friedrich Braas, Heinrich Grümbel und Jakob Fries.

Ende 1878 wurde dann im Saal der Gastwirtschaft Demandt der „Jünglingsverein Niederndorf“ gegründet. Nachdem die Wichtigkeit der Arbeit an jungen Männern hervorgehoben worden war, wurden alle Anwesenden gebeten, tatkräftig in dem neuen Verein mitzuhelfen und den Dienst durch treue Fürbitte zu unterstützen. Zum ersten Vorsitzenden (Präses) wurde Wilhelm Stracke gewählt. Ihm zur Seite stellte man einige Beisitzer, die mit ihm zusammen den Vorstand bildeten und den Verein zu leiten hatten. Bei der Gründungsversammlung wurden 25 Männer in den neuen Verein aufgenommen.

Ziel und Zweck des Vereines wurden in besonderen Statuten festgelegt, § 1 lässt die Zielsetzung klar erkennen:

„Der Jünglingsverein Niederndorf will eine vom christlichen Geist geleitete und unter christlicher Zucht stehende Gemeinschaft von Jünglingen und Männern herbeiführen, damit der Jüngling gemäß der Losung wandle: „Wie wird ein Jüngling seien Weg unsträflich gehen? Wenn er sich hält nach deinen Worten“ (Ps. 119,9)

Gleich nach der Gründung entstand der Männerchor. der sich „die Pflege des geistlichen Gesanges“ zur Aufgabe machte. Im selben Jahr noch konnte man auch zusammen der Ev. Gemeinschaft in das fertig gestellte Gemeinschaftshaus (Lokal) einziehen und nun hier die Bibel-, Gebets- und Gesangstunden abhalten.

Es darf sicherlich nicht unerwähnt bleiben, dass der Verein bereits nach den ersten 3 Jahren von einer schweren Krise erschüttert wurde. Bibel- und Gebetsstunden wurden kaum noch besucht und der Vorstand sah sich gezwungen, die Stunden aufzuheben. Somit kam die Arbeit nach außen hin zum Erliegen, wenn auch der Verein offiziell nicht aufgelöst wurde. Die aktiven Mitglieder besuchten nun die Gebets- und Erbauungsstunde der ev. Gemeinschaft.

Im Sommer 1882 wurde die Vereinsarbeit dann wieder aufgenommen. 

Schmiedemeister Jakob Wirth (Jöje Jakob) war neben seiner Funktion als Vereinspräses auch der vierte Chorleiter des Männerchores. 1892 trat er dem Verein bei und schon ein Jahr später 1893 wurde er zum Präses und Chorleiter gewählt. Bis 1921, also 28 Jahre, übte er das Amt des Chorleiters aus. Es wird berichtet, dass er dies mit viel Liebe und Treue tat. Selbst 50 Jahre nach seinem Tode hieß es, wenn es um altes oder neues Liedgut ging: „Dat ho mer alt biem Jöje Jakob geliert!“. Vereinspräses war er noch bis zum Jahre 1928. Sein Beruf als Schmiedemeister kam ihm sicherlich auch beim Mitgestalten des Vereinslebens zugute. Jakob Wirth wurde am 13.Mai 1859 in Plittershagen geboren. Er besuchte auch dort die Volksschule. In seinem elterlichen Wohnhaus erlernte er von seinem Vater, Peter Wirth, das Schmiedehandwerk. Im Jahre 1882 verheiratete er sich mit Katharina Langenbach aus Dirlenbach. Am 7.Dezember 1930 verstarb Jakob Wirth im Alter von 61 Jahren.

Seit den 1890er Jahren findet am Pfingstmontag auf dem Giebelwald ein Waldgottesdienst statt. Es begann mit Brüdern des CVJM und der Gemeinschaft. Später dann mit Pastor Adam, zusammen mit der Kirchengemeinde Oberfischbach. Nach den Gottesdiensten gibt es Würstchen, Getränke u.ä., die von den Mitarbeitern des CVJM organisiert werden.

Die Mitgliederzahl wuchs nun ständig an, 1904 waren 85 Mitglieder eingetragen.

1911 wurde der Posaunenchor gegründet. Es war für alle ein großes Erlebnis, als wenig später ein Pferdefuhrwerk 18 neue Instrumente von Bahnhof in Niederfischbach abholte, die sofort an die schon wartenden Bläser verteilt wurden.

Der 1. Weltkrieg und die nachfolgende Revolutions- und Inflationszeit brachte den Verein in mancherlei Schwierigkeiten. 12 Mitglieder kehrten aus dem Krieg nicht wieder zurück, die Wirren der Zeit machten sich in einem schlechten Besuch der Vereinsstunden bemerkbar.

Die große Wende kam dann im Winter 1923/24 bei einer Evangelisation mit Reiseprediger Nies aus Buschhütten, der Verein wuchs auf 125 Mitglieder. Im Protokollbuch ist folgender Eintrag zu lesen: „Welch eine Wendung durch Gottes Führung. So mussten wir bekennen, als wir die große Schar von Männern und Jünglingen sahen, die fast den ganzen Saal füllten.

Das 50-jährige Bestehen 1928 wurde im „Eichen Wäldchen“ gemeinsam mit den Vereinen aus Freudenberg, Plittershagen und Setzen groß gefeiert.

Anfang der 30er Jahre wurde eine eigene Jugendabteilung gebildet, die mit olivgrünem Hemd, Halstuch und Wimpel auf fröhliche Fahrt und Wanderschaft ging. Das Dritte Reich setzte dieser aber ein schnelles Ende. Es gab kaum noch freie Gruppen, auf die nicht die NSDAP ihre Hände gelegt hätte. Da man die Kirchen nicht so ohne weiteres auflösen konnte, begann man zuerst mit der Zerschlagung der Jugendverbände und erzwang die Eingliederung in die Hitlerjugend. Aber die Jahre 1933 bis 1945 brachten noch manch andere Schwierigkeiten. So machte der Geist der nationalsozialistischen Bewegung auch vor den Türen des „Jünglingsvereins“ nicht halt. Manches brüderliches Verhältnis wurde durch politische Meinungsverschiedenheiten getrübt, 65 Mitglieder kehrten dem Verein den Rücken zu.

Nach den Kriegsjahren begann die Arbeit wieder hoffnungsvoll, neue Mitglieder wurden aufgenommen, Schwerpunkt war die Jugendarbeit.

1947 wurden Jungschar und Jungenschaft gegründet. Zur umfassenden Lebensgemeinschaft gehört auch, etwas für den Leib zu tun. 1953 entstand eine Sportgruppe, die ihre Übungsstunden auch im Vereinshaus abhielt. Das dafür die Sitzbänke zusammengerückt wurden, sahen einige ältere Mitglieder allerdings nicht gerne, aber nach mehreren Gesprächen wurde es doch geduldet. 1955 fand auf dem Sportplatz in Niederndorf vor etwa 600 Zuschauern ein großes Vereinssportfest statt. Hieran nahmen auch Sportler aus dem ganzen Siegerland und Oberbergischen Kreis teil.

1973 wurde durch Beschluss der Jahreshauptversammlung auch die Mädchenarbeit aufgenommen. Mädchenjungschar und Mädchenkreis entstanden.

Im Jahr 1978 konnte dann das 100-jährige Vereinsjubiläum gefeiert werden. Es wurde eigens dafür eine Festschrift erstellt mit Berichten aus dem Vereinsleben und den Gruppenstunden. Zu den Festveranstaltungen hatte Präses Günter Runkel den Bundeswart Pastor Klaus-Jürgen Diehl aus Wuppertal eingeladen. Das Jubiläum stand unter dem Thema: „Dienet dem Herrn mit Freuden“. 

In den folgenden Jahren haben viele Niederndorfer Kinder und Jugendliche die Gruppenstunden des CVJM besucht, es war eine gute und gesegnete Zeit.

Im Jahr 2003 stand dann wieder ein Jubiläum an. 125 Jahre CVJM Niederndorf. Das Thema hieß: „Hoffnung für Alle“. Im Rahmen des Dorfgemeinschaftsfestes wurde im Juli ein Fest-Wochenende auf dem Reitplatz veranstaltet. Die Mitarbeiter um den 1. Vorsitzenden Rainer Klappert haben super geplant und vorbereitet. Es gab einen Abend der Besinnung für die Mitarbeiter, einem Familienabend mit der gesamten Dorfgemeinschaft unter der Leitung von Pfarrer Martin Braukmann und Dieter Uebach. Im Vorfeld wurden sich viele Gedanken gemacht wie dieser Abend ablaufen sollte. Von vergangenen Dorfgemeinschaftsfesten wusste man, dass meistens der Alkohol im Vordergrund stand. So wurde mit Ortsvorsteher Lothar Uebach vereinbart, dass es bei dem Jubiläum des CVJM keinen Alkohol geben wird. Auch in den eigenen Reihen wurde dieses Thema heiß diskutiert und zum Schluss von allen Beteiligten befürwortet. Sonntagsmorgens fand ein gemeinsamer Gottesdienst statt, anschl. eine Matinee und Nachmittags zum Abschluss ein „Spiel ohne Grenzen“ mit den Dorfvereinen. Es war ein gelungenes Fest zum Lob Gottes, auch -ohne Alkohol-, oder vielleicht erst recht.

Ende 2003 beendete Elke Runkel nach 20 Jahren die Gruppenleitung des Mädchenkreises. Mitte 2004 musste die Gruppe aufgelöst werden, weil es keine weibliche Mitarbeiterin mehr gab.

Am 03.03.2006 beendete Rainer Klappert seine Arbeit als 1. Vorsitzender nach sieben Jahren und nach über 20 Jahren aktiver Vorstandsarbeit. Als Nachfolger wurde Uwe Runkel gewählt und Klaus Hofmann als 2. Vorsitzender. Die beiden wollen ihre Aufgaben als „Doppelspitze“ durchführen.

Die Jahre 2006 und 2007 waren geprägt vom Bau des Sportzentrums Niederndorf  „Am Höppel“. Zusammen mit der Spielvereinigung Niederndorf 09 wurde das Projekt in Angriff genommen. Ein Kunstrasenplatz und eine 400m Laufbahn wurden errichtet. Wir sind froh und dankbar für die gute Zusammenarbeit der beiden Vereine. Dies wurde bei der Eröffnung im August 2007 gefeiert. 

Am 13.März 2015 beendete Uwe Runkel seine Arbeit als 1.Vorsitzender nach neun Jahren, die geprägt waren von vielen Sitzungen, Terminen und Aufgaben rund um den Sportplatz. Als Nachfolger wurde Udo Lappe gewählt, der bereits seit 2009 als 2.Vorsitzender im Amt war.

Wir sind froh und dankbar, dass die Anlage in den nunmehr 12 Jahren von so vielen sportbegeisterten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen genutzt wird.
Es war und ist nicht immer einfach die Dinge die damit verbunden sind, was die Organisation und die Finanzierung betrifft, im Vereinsleben unter einen Hut zu bekommen. Die Sportarbeit ist „ein“ Zweig unseres Vereins und die anderen Gruppen dürfen dabei nicht hinten anstehen.

Im Jahr 2019 steht die Sanierung der Leichtathletik Anlage an. Die Nutzung und die Witterungseinflüsse haben ihre Spuren hinterlassen. Die Kosten sind immens und für einen relativ kleinen Ortsverein nur mit Hilfe von umfangreichen Zuschüssen und Spenden zu stemmen.

Wir freuen uns auch, dass die Jungenschaft, nach einer Pause, die Gruppenarbeit wieder aufgenommen hat.

Am 06.06.2019 feierte der CVJM weltweit seinen 175. Geburtstag. Im Jahre 1844 wurde durch George Williams der erste CVJM in London gegründet. Dieses Jubiläum wurde auch bei uns gefeiert. Mit den 4 CVJM im Kirchspiel (Bottenberg, Oberfischbach, Oberheuslingen und Niederndorf) fand am 06.06.19 um 18 Uhr rund um den Backes in Oberheuslingen ein gemütlicher Abend mit Currywurst-Pommes und gute Gesprächen statt. ca. 200 Leute sind der Einladung gefolgt.

Die Vorsitzenden:  Nach Wilhelm Stracke stand Wilhelm Klappert, danach Friedrich Gerhard an der Spitze. 1893 übernahm Jakob Wirth für 35 Jahre die Leitung des Vereins (-1928). Die weiteren Vorsitzenden waren: Ernst Grümbel (-1936), Paul Uebach (-1941), Fritz Langenbach (-1955), Heini Fey (-1959), Horst-August Uebach (-1968), Günter Runkel (-1984), Friedhelm Tappert (-1999), Rainer Klappert (-2006), Uwe Runkel (-2015). Seit 2015 ist Udo Lappe 1. Vorsitzender des Vereins.

Der CVJM will eine umfassende Lebensgemeinschaft junger Menschen sein. Die Arbeit kann nie Selbstzweck sein, sondern kann ihrem Wesen, ihrem Inhalt und ihrer Absicht nach nichts anderes sein, als eine Fortsetzung der Sendung Jesu Christi: „Gleich wie mich mein Vater gesandt hat in die Welt, so sende ich euch.“ (Joh. 21,21).

Niederndorf, 09.06.2019 (aktualisiert von Elke Runkel)